Fragen so einsetzen, dass Anliegen sichtbar werden und Entscheidungen bei der Person bleiben.
Einleitung und Lernziele
Du lernst, offene und geschlossene Fragen nach ihrem Zweck auszuwählen, suggestive Formulierungen zu erkennen und eine kurze Gesprächsfolge ohne Verhörcharakter zu gestalten.
Offene und geschlossene Fragen unterscheiden
Offene Fragen lassen einen größeren Antwortspielraum: „Was ist Ihnen beim Ausflug wichtig?“ Geschlossene Fragen grenzen die Antwort ein: „Möchten Sie heute mitfahren?“ Beide Formen können sinnvoll sein. Offene Fragen sind ein Bestandteil der motivierenden Gesprächsführung; diese umfasst darüber hinaus eine kooperative Haltung, reflektierendes Zuhören und weitere erlernbare Fertigkeiten (vgl. NSW Agency for Clinical Innovation, o. J.).
Eine einzelne offene Frage ist noch keine vollständige Beratungsmethode. Entscheidend ist, ob die Frage dem Anliegen dient und die Person eine echte Antwortmöglichkeit hat.
Die Frage dem Gesprächsziel anpassen
| Ziel | Mögliche Frage |
|---|---|
| Anliegen erkunden | „Was möchten Sie heute besprechen?“ |
| Ein Detail klären | „War das vor oder nach dem Mittagessen?“ |
| Eine Wahl unterstützen | „Möchten Sie im Garten oder im Aufenthaltsraum sitzen – oder woanders?“ |
| Verständnis absichern | „Was haben wir für morgen vereinbart?“ |
Eine Auswahlfrage darf nicht so wirken, als seien nur die angebotenen Möglichkeiten erlaubt. Wenn eine andere Lösung möglich ist, wird sie ausdrücklich offengehalten.
Fallbeispiel: Ein Angebot wird abgelehnt
Herr Auer lehnt die Singrunde ab. „Sie kommen doch mit, oder?“ legt bereits fest, welche Antwort erwünscht ist. „Warum machen Sie nie mit?“ enthält zusätzlich eine pauschale Bewertung.
Eine mögliche Gesprächsfolge lautet: „Was passt für Sie heute an der Singrunde nicht?“ Nach seiner Antwort: „Die Gruppe ist Ihnen zu laut.“ Anschließend: „Wäre ein ruhigeres Angebot interessant, oder möchten Sie heute für sich sein?“ Herr Auer entscheidet sich für Ruhe. Diese Entscheidung ist kein misslungenes Gespräch.
Für die Auswertung zählt, ob eine Präferenz verständlich wurde. Ein höherer Teilnahmeanteil ist nicht automatisch ein Beweis für bessere Gesprächsführung.
Fragen vereinfachen, ohne zu bevormunden
Mehrere Fragen in einem Satz sind schwer zu beantworten: „Wollen Sie mitgehen, haben Sie Ihre Jacke, und sollen wir Ihre Tochter informieren?“ Teile solche Sätze in einzelne Schritte. Lasse nach jeder Frage Zeit und beachte den vereinbarten Kommunikationsweg.
Geschlossene Fragen können entlasten, sollten aber nicht ausschließlich benutzt werden. Ein rasches „Ja“ kann auch Gewohnheit oder den Wunsch ausdrücken, das Gespräch zu beenden. Wenn die Antwort nicht zur Situation passt, frage respektvoll nach, statt absichtlich Fangfragen zu stellen.
Transfer: Fragen überarbeiten
Formuliere „Sie haben das sicher verstanden?“ und „Warum sind Sie so schwierig?“ neu. Benenne zuerst das tatsächliche Ziel: Geht es um Verständnis, eine Entscheidung oder eine Beobachtung? Eine passende Alternative zur zweiten Aussage könnte lauten: „Was erschwert Ihnen gerade die Situation?“
Prüfe im Rollenspiel, ob deine Frage eine Antwort vorgibt. Notiere danach eine offene Einstiegsfrage, eine gezielte Klärungsfrage und eine Abschlussfrage für einen realistischen Betreuungsanlass. Persönliche Daten gehören nicht in die Übungsnotizen.
Zusammenfassung
- Offene Fragen erkunden; geschlossene Fragen klären gezielt.
- Suggestive Fragen legen eine gewünschte Antwort nahe.
- Eine einzelne Frage und ausreichend Antwortzeit erleichtern den Austausch.
Quellen und weiterführende Literatur
- NSW Agency for Clinical Innovation (o. J.): Motivational interviewing. Onlinequelle (Zugriff: 29.10.2026).
- Caritas Salzburg (2018): SOB-Lehrplan, Kommunikation. Onlinequelle (Zugriff: 29.10.2026).
Redaktioneller Quellenabgleich: 29. Oktober 2026. Die Praxisbeispiele sind fiktive Lernbeispiele.
Wissen überprüfen
Single-Choice mit unmittelbarer Rückmeldung. Deine Antwort wird nicht gespeichert.
